Gefunden – damals und heute: Goethe neu gelesen
Gefunden
Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.
Ich wollt es brechen,
Da sagt es fein:
„Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?“
Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus.
Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.
Johann Wolfgang von Goethe 🌼
Gefunden 2026
Ich lief durch den Wald, ganz ohne Plan,
weil man auch mal nichts tun kann.
Kein Ziel, kein Stress, kein Muss, kein Soll,
einfach unterwegs, das Leben voll.
Da sah ich eine Blume stehn,
so schön, da blieb ich kurz mal stehn.
Sie leuchtete still im Abendlicht,
doch pflücken? Nee, das wollt ich nicht.
Früher hätt ich vielleicht gedacht:
„Die wird zu Hause schön gemacht.“
Doch heute weiß ich, Stück für Stück,
man nimmt nicht alles mit ins Glück.
Am schönsten war sie genau dort,
verwurzelt an ihrem eignen Ort.
Ich ließ sie stehn und ging dann fort,
doch in Gedanken ging sie mit mir fort.
Und während ich den Weg entlang,
den Vögeln und dem Wind zuhang,
dacht ich: Manchmal ist's ziemlich schlicht,
was man liebt, besitzt man nich



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