Die andere Krise

Man hört es jetzt öfter: die Krise der Demokratie.
Doch ist es wirklich das –(?)  oder beginnt der Mensch zu spüren, dass jede Form von vermeintlicher Führung ihn leise dorthin lenkt, wo er im Innersten gar nicht hinwill?

Ich lasse bewusst Raum für weite Deutungen.

Also ruhig das eigene Denken einschalten, sage ich mir – mit einem kleinen Schmunzeln.



Die andere Krise

Im Staub der Tage

fragt nicht die Ordnung nach sich selbst,
sondern der Mensch nach seinem Herzen.


Du suchst nach Händen,
die dich führen –
und nennst es Sicherheit.
Doch jede Hand, die dich hält,
hält dich auch fest.


O du Wanderer zwischen Wunsch und Furcht,
du rufst nach Freiheit,
doch erschrickst vor ihrer Weite.
Denn Freiheit ist kein Geschenk,
sie ist ein Feuer –
und nicht jeder will brennen.


So entstehen die Stimmen,
die dir den Weg abnehmen,
die sagen: Fürchte dich nicht, ich weiß es.
Und du legst deine Zweifel nieder
wie ein müdes Tier.


Doch sieh genauer:
Die laute Macht und die leise Macht
trinken aus derselben Quelle.
Die eine befiehlt,
die andere verführt –
und beide kennen den Preis deiner Stille.


Du glaubst zu wählen,
doch oft ist es die Angst,
die in dir entscheidet.


Ist es also die Krise der Formen?
Oder die Müdigkeit der Seele,
die sich selbst nicht mehr tragen will?


Zu viel Greifen nach außen,
zu wenig Lauschen nach innen.
Zu viel Welt in den Händen,
zu wenig Wahrheit im Blick.


Vielleicht ist alles, was geschieht,
kein Zerfall –
sondern ein Ruf.


Ein Ruf,
der dich zurückführt
in die unbequeme Weite deiner selbst.


Dorthin,
wo keine Stimme dich erlöst,
keine Ordnung dich bewahrt,
kein System dich kennt.


Nur du,
und die leise, unbestechliche Frage:
Bist du bereit, frei zu sein –
ohne dich wieder nach Ketten zu sehnen?


Du suchst nach Ordnung in der Welt,
doch das größte Chaos wohnt im ungeprüften Herzen.


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