Trotz allem

Es gibt Worte,
die nicht aus dem Kopf kommen,
sondern aus einem tieferen Ort –
dort, wo das Herz noch flüstert,
selbst wenn es müde ist.

Manchmal erinnert uns dieses Flüstern daran,

dass Stärke nicht im Festhalten liegt,
sondern im Offenbleiben.
Dass Mauern zwar schützen,
aber auch trennen.

Und dass selbst ein verletztes Herz

noch Licht tragen kann.

Dieses Gedicht ist ein Schritt zurück

zu dieser leisen Wahrheit.


Trotz allem

Diese Momente,
in denen man stark wirkt,
gerade steht,
alles im Griff hat –
zumindest sieht es so aus.

Man spricht von Kontrolle,
von Sicherheit,
davon, sich selbst zu schützen.
Bloß nichts mehr an sich ranlassen,
bloß nicht nochmal fallen.

Und irgendwie
macht das ja auch Sinn,
weil es wehgetan hat,
weil man gelernt hat,
dass Offenheit manchmal trifft.

So wird man härter,
klarer,
unnahbarer vielleicht,
als könnte man das Leben sortieren,
wenn man sich selbst nur fest genug hält.

Aber ganz ehrlich?
Das Leben lässt sich nicht halten,
nicht planen,
nicht festzurren wie ein Paket,
das einfach da bleibt,
wo man es abstellt.

Es rutscht einem durch die Finger.
Immer wieder.

Und dann sitzt man da,
mit all der Kontrolle,
und merkt,
dass sie einen auch trennt
von Nähe,
von dem Gefühl,
einfach verstanden zu werden,
ohne sich erklären zu müssen.

Und irgendwo darunter,
unter all dem Starksein,
ruht etwas anderes.
Weich.
Still.
Offen.

Etwas, das fühlen will,
lieben will,
das nicht rechnet,
nicht absichert,
nicht fragt, ob es sich lohnt.

Und manchmal,
ganz leise,
fast wie ein Hauch,
meldet sich eine Stimme in einem:

„Werd nicht hart.
Bau deine Mauern nicht so hoch.
Nicht für den anderen –
für dich.
Sonst kann dich niemand mehr erreichen,
niemand mehr berühren,
niemand mehr finden.
Und du würdest einsam werden,
verbittert,
und das bist du nicht.“

Und vielleicht
ist genau das der Punkt:
dass man außen standhalten kann –
aber innen nicht zumacht.

Dass man nicht alles kontrolliert,
sondern zulässt.

Weil Nähe nicht entsteht,
wenn alles perfekt ist,
sondern wenn jemand bleibt,
während man unsortiert ist,
ehrlich,
unfertig.

So wie diese Gespräche,
die einfach passieren,
ohne Plan,
ohne Ziel –
und plötzlich fühlt es sich richtig an.

Nicht, weil alles sicher ist,
sondern weil man sich nicht verstecken muss.

Und vielleicht ist das
die eigentliche Stärke:
nicht die Mauer,
nicht die Kontrolle,
sondern dieses leise:

Ich bleib offen.
Trotz allem.

Und wenn dein Herz müde wird,
dann erinnere dich:
Das Licht findet immer einen Weg –
vor allem durch die Risse.

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