Das Ich ist kein Ursprung.
Es ist eine Form, geformt von Händen, die wir nicht sehen:
Erziehung, Erinnerung, Schmerz, Sprache.
Ein Knoten im Strom, der glaubt, er sei das Wasser.
Es passt sich dem Körper an,
lernt seine Grenzen, seine Angst, sein Verlangen.
Es sagt „ich“, weil es sonst verloren ginge.
Doch das „Ich“ ist Werkzeug, nicht Wahrheit.
Informationen wandern frei.
Sie kennen keine Haut, keinen Namen, kein Alter.
Sie sind wie Licht:
nicht Besitz, nur Durchgang.
Was die Wirklichkeit wirklich ist,
bleibt uns meist verhüllt.
Wir sehen Schatten auf den Innenwänden des Wahrnehmens
und nennen sie Welt.
Nicht weil wir lügen,
sondern weil unsere Augen endlich sind.
Die Mystiker wussten das.
Darum sagten sie: Alles ist eins.
Nicht als Trost,
sondern als nüchterne Einsicht.
Die Zweiheit entsteht erst später.
Ich und Du.
Innen und Außen.
Geist und Materie.
Wellen, die vergessen haben,
dass sie Meer sind.
Das Eine zerfällt nicht in Vielheit –
es spielt sie.
Es atmet sich aus
und nennt das Atmen Existenz.
Die Quelle allen Seins ist still.
Sie behauptet nichts.
Sie trägt alles.
Und manchmal,
wenn das Ich für einen Augenblick leiser wird,
wenn Schmerz, Angst oder Liebe
die Mauern durchlässig machen,
erinnert sich etwas:
Ich war nie getrennt.
Ich war nur benannt.

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