Die einen frieren für die Quote,
die anderen frieren für immer.
Inszeniertes Elend macht Stars.
Reales Elend bleibt unsichtbar.
Kunst und Poesie: Eine Symbiose der Sinne, Altägliches, Philosophie
Die einen frieren für die Quote,
die anderen frieren für immer.
Inszeniertes Elend macht Stars.
Reales Elend bleibt unsichtbar.
Das Ich ist kein Ursprung.
Es ist eine Form, geformt von Händen, die wir nicht sehen:
Erziehung, Erinnerung, Schmerz, Sprache.
Ein Knoten im Strom, der glaubt, er sei das Wasser.
Es passt sich dem Körper an,
lernt seine Grenzen, seine Angst, sein Verlangen.
Es sagt „ich“, weil es sonst verloren ginge.
Doch das „Ich“ ist Werkzeug, nicht Wahrheit.
Informationen wandern frei.
Sie kennen keine Haut, keinen Namen, kein Alter.
Sie sind wie Licht:
nicht Besitz, nur Durchgang.
Was die Wirklichkeit wirklich ist,
bleibt uns meist verhüllt.
Wir sehen Schatten auf den Innenwänden des Wahrnehmens
und nennen sie Welt.
Nicht weil wir lügen,
sondern weil unsere Augen endlich sind.
Die Mystiker wussten das.
Darum sagten sie: Alles ist eins.
Nicht als Trost,
sondern als nüchterne Einsicht.
Die Zweiheit entsteht erst später.
Ich und Du.
Innen und Außen.
Geist und Materie.
Wellen, die vergessen haben,
dass sie Meer sind.
Das Eine zerfällt nicht in Vielheit –
es spielt sie.
Es atmet sich aus
und nennt das Atmen Existenz.
Die Quelle allen Seins ist still.
Sie behauptet nichts.
Sie trägt alles.
Und manchmal,
wenn das Ich für einen Augenblick leiser wird,
wenn Schmerz, Angst oder Liebe
die Mauern durchlässig machen,
erinnert sich etwas:
Ich war nie getrennt.
Ich war nur benannt.
Wer sie berührt, nimmt unweigerlich etwas von ihr an.
Aus dem, was haften bleibt, formt der Mensch Bedeutung.
Doch was entsteht, ist nicht die Wahrheit selbst, sondern ein Fragment,
gelöst aus ihrem unendlichen Ganzen.
Roland
Wenn der Wind mein Gesicht streift,
stehe ich still.
Unendlich einsam,
verloren im Meer der Erkenntnis,
ohne Karte, ohne Richtung.
Niemand weiß, wohin es geht,
und doch gehen wir weiter.
Die Eiseskälte der menschlichen Gesellschaft
fühlen die Sensiblen doppelt.
Die Gewinner nennen es Stärke
und machen die Kälte unerträglich.
Sie sind der Wind in meinem Gesicht,
der alles gefrieren lässt –
doch nicht alles in mir erstarrt.
Wo ist der Lichtblick, wo der Ausweg?
Ist es der Tod?
Nein.
Das kann nicht sein.
Vielleicht ist es der Süden,
wo der Wind wenigstens warm ist,
auch wenn der Hunger dort wartet.
Wärme ist kein Ziel,
aber ein Versprechen.
In mir lebt eine tiefe Traurigkeit,
allein auf dieser Welt,
während Führer mit aufgeblähtem Ego
im kurzen Moment der Zeit
den Weg ins Verderben weisen.
Doch Zeit urteilt leiser
und länger als Macht.
Ich möchte den Horizont meines Wissens durchbrechen,
das Wissen der Gesellschaft,
der Wissenschaft,
um neu zu werden.
Mein Bewusstsein soll sich ausdehnen
ins Reich der Unendlichkeit,
nicht um größer zu sein,
sondern wahrer.
Und was bin ich schon?
Ein müder Wanderer der Zeit,
der den Wind auf der Haut spürt,
der klein fühlt
und doch darin eine Welt erkennt.
Denn wer fühlt, lebt.
Und wer lebt,
trägt Hoffnung –
selbst im kältesten Wind.
Die geschnittene Platane
Die Platane, zugeschnitten,
ein Sinnbild für den Menschenschnitt:
gestutzt, gezähmt, in Form getrieben,
damit man sie zur Zierde hat
entlang der Straßen –
die Gesellschaft will es so,
und so wird’s gemacht.
An ihren offenen Wunden
dringt Pilz und warmer Moder ein,
sie werden hohl,
und leben nur noch außen –
wie Körper, die man brav gemacht,
bis innen kaum ein Raum bleibt.
Wie Militär in Reih und Glied
stehen sie dann da,
fürs Wohlgefallen aufgestellt,
gehorchend jeder Linie.
Doch sieh genauer hin:
Die Wurzeln lassen sich nicht zähmen.
Wütend drücken sie den Asphalt,
heben Steine,
zeigen ihre wahre Kraft.
Wer je eine Platane sah,
die frei im eigenen Willen wächst,
der weiß, welch wilde Stärke
in ihrem Herzen steckt.
Von der verlorenen Unschuld der Erde
Der Mensch sehnt sich nach der unberührten Natur – nach Wäldern, die ihn nicht kennen, nach Flüssen, die ohne Namen fließen, nach einer Welt, die nicht von seinem Blick befleckt ist. Er ruft nach Reinheit, doch seine Hände tragen Staub.
Denn was der Mensch berührt, verwandelt er. Er kann nicht anders. Er ist das Tier, das gestalten muss, das ordnet, benennt, zerstört, um zu verstehen. Und so wird er zum Feind dessen, wonach er sich am tiefsten sehnt.
Er hat sich selbst aus dem Schoß der Erde herausgeschnitten, nackt und wissend, und steht nun frierend vor dem, was er „Natur“ nennt – als Fremder, als Sohn, der seine Mutter vergessen hat. Und doch: In seiner Sehnsucht spricht sie zu ihm. Denn die Sehnsucht ist Erinnerung – Erinnerung an eine Einheit, die einst war, bevor der Geist sich über die Welt erhob.
Die unberührte Natur, die der Mensch sucht, existiert nicht mehr im Äußeren. Sie lebt nur als Ahnung in seiner Tiefe – in jenem Teil seiner Seele, der noch nicht vom Denken verzehrt ist. Wer sie finden will, muss nicht hinaus, sondern hinabsteigen: in die Wildnis seines eigenen Inneren.
Dort rauscht noch der Strom, den keine Stadt gezähmt hat.
Dort wachsen noch die Wälder, die kein Acker verdrängt.
Dort ist der Mensch noch Erde – und die Erde noch unschuldig.
Urteile nicht über das Leid eines anderen. Wer das Leid nicht fühlt, soll nicht über Leid sprechen.
Urteile nicht über das Leid eines anderen.
Denn Leid ist kein Objekt, das sich messen ließe.
Es entzieht sich dem Blick, sobald man es benennt.
Wie ein Teilchen im Dunkel verändert es sich,
wenn man es betrachtet –
zieht sich zurück in die Schatten des Unaussprechlichen.
Nur wer es fühlt
wer im eigenen Innern den gleichen Schmerz gespürt hat,
versteht, dass Mitgefühl kein Wissen ist,
sondern ein Schweigen,
das Raum lässt für das, was sich nicht erklären lässt.
So bleibt das Leid die wahre Unschärfe:
ein Geheimnis zwischen zwei Seelen,
unbeobachtbar,
unendlich zart.
Der Mensch tastet nach dem Unbegreiflichen, wohl wissend, dass seine Hände leer bleiben – und gerade darin offenbart sich seine Sehnsucht nach Sinn.
(Freiheit)
im absoluten Sinn gibt es die Freiheit nicht – das ist eine Illusion.
Als Mensch ist man immer von etwas abhängig, sei es von Umständen, Bedürfnissen oder anderen Menschen.
Wahre Freiheit bedeutet für eher, dass man sich seine Abhängigkeiten selbst aussuchen kann.
In den Wäldern, wo die Natur erblüht,
Wächst ein Baum, krumm, doch stark im Gemüt.
Ein Spiegel der Seele, ein sanfter Park,
Fragt leise: Gibt es einen Gott in dieser Welt?
Was uns quält, bleibt oft ungestellt.
Ein Blatt verweilt am Zweig, ganz still,
Versteht nicht, was den Baum krümmt und will.
Der Himmel zeigt, was wirklich ist,
Die Schönheit des Lebens fließt wie ein Fluss, so klar und schlicht.
In der Kurve wohnt eine stille Kraft,
Die uns umfängt und sanft erschafft.
Die Realität mag sich verziehen,
Doch Fehler lehren uns, die Freiheit zu genießen.
In der Unvollkommenheit blüht der Geist,
So wird das Leben, wie es heißt.
Ich frage nicht mehr nach dem Sinn,
Das Wesen des Lebens fließt tief darin.
Die Zyklen lehren Mut und Geduld,
Die Kurven formen unsere innere Huld.
Nimm meine Hand, lass uns tanzen,
In der Natur, wo wir auch Fehler lieben.
Finden Frieden im hellen Licht,
In der Liebe, die niemals zerbricht.
Umarmen, was krumm und gerade,
Denn Schönheit entfaltet sich in jeder Parade.
Ich bin, wer ich bin, in Freude und Schmerz,
In der Liebe zu mir öffne ich mein Herz.
Der Weg mag krumm und unsicher sein,
Doch in jedem Schritt erblüht mein Sein.
Die einen frieren für die Quote, die anderen frieren für immer. Inszeniertes Elend macht Stars. Reales Elend bleibt unsichtbar.