Freitag, 17. April 2026

Über den Krieg

Dieses Gedicht ist aus einem einfachen, aber drängenden Gedanken entstanden: Wir leben in einer Zeit, in der Kriege wieder allgegenwärtig sind.

Ich wollte Worte finden, die nicht nur den äußeren Krieg zeigen, sondern auch den inneren – die Muster, die uns trennen, obwohl wir uns im Kern so ähnlich sind.


Das Gedicht ist mein Versuch, einen anderen Blick zu öffnen: weg von Schuld und Sieg, hin zu Bewusstsein, Verbindung und Verantwortung.


Über Krieg


Durch die Tür könnten wir schreiten,

wenn wir es nur wollten.

Sie steht offen seit Anbeginn,

und doch marschieren wir daran vorbei.


Denn ich bin du

und du bist ich –

getrennt nur durch die Schatten

unserer Gedanken.


Die Geschichte wiederholt sich nicht,

sie reimt sich nur

in den alten Mustern des Egos,

das immer wieder Sieger sucht.


Wir lassen den anderen selten sein,

wie er ist.

Wir kleiden ihn

in Angst und Verdacht,

in Bilder,

die wir selbst gemalt haben.


Und dann erhebt sich

die alte Frage der Menschheit:


Was tun bei Gewalt?


Wie Jesus von Nazareth,

der die andere Wange zeigt?


Wie Mahatma Gandhi,

der mit leeren Händen

ein Imperium erschütterte? Oder doch:

Auge um Auge,

Zahn um Zahn –

bis, wie Gandhi sagte,

die ganze Welt blind geworden ist.


Vielleicht beginnt Weisheit

nicht im Sieg.


Vielleicht beginnt sie

im Erkennen.


Im Gehen,

wenn der Sturm keine Ohren mehr hat.


Im ruhigen Wort,

wenn noch ein Funke Zuhören bleibt.


Und wenn kein Weg mehr offen scheint,

im Schutz des eigenen Lebens –

nicht aus Hass,

sondern um das Dunkel

nicht weiter wachsen zu lassen.


Denn die Zeit vergeht

im Jetzt

wie ein Atemzug.


Und doch teilen wir weiter

die Welt in Gewinner und Verlierer

auf einer Erde,

die reich ist.


Unermesslich reich.


Reich an Möglichkeiten,

reich an Wegen,

reich an Türen,

die nicht Krieg heißen.


Man müsste nur sehen:


Wenn ich dich verletze,

verletze ich auch mich.


Wenn ich dich lasse,

wie du bist,

öffnet sich vielleicht

ganz leise

die Tür,

durch die die Menschheit

noch immer gehen könnte.

                 

                                             Roland 

 

Donnerstag, 5. Februar 2026

Zwei Arten von Elend

 

Die einen frieren für die Quote,

die anderen frieren für immer.

Inszeniertes Elend macht Stars.

Reales Elend bleibt unsichtbar.


Montag, 26. Januar 2026

Über das ,,Ich‘‘

 Das Ich ist kein Ursprung.

Es ist eine Form, geformt von Händen, die wir nicht sehen:



Erziehung, Erinnerung, Schmerz, Sprache.

Ein Knoten im Strom, der glaubt, er sei das Wasser.


Es passt sich dem Körper an,

lernt seine Grenzen, seine Angst, sein Verlangen.

Es sagt „ich“, weil es sonst verloren ginge.

Doch das „Ich“ ist Werkzeug, nicht Wahrheit.


Informationen wandern frei.

Sie kennen keine Haut, keinen Namen, kein Alter.

Sie sind wie Licht:

nicht Besitz, nur Durchgang.


Was die Wirklichkeit wirklich ist,

bleibt uns meist verhüllt.

Wir sehen Schatten auf den Innenwänden des Wahrnehmens

und nennen sie Welt.

Nicht weil wir lügen,

sondern weil unsere Augen endlich sind.


Die Mystiker wussten das.

Darum sagten sie: Alles ist eins.

Nicht als Trost,

sondern als nüchterne Einsicht.


Die Zweiheit entsteht erst später.

Ich und Du.

Innen und Außen.

Geist und Materie.

Wellen, die vergessen haben,

dass sie Meer sind.


Das Eine zerfällt nicht in Vielheit –

es spielt sie.

Es atmet sich aus

und nennt das Atmen Existenz.


Die Quelle allen Seins ist still.

Sie behauptet nichts.

Sie trägt alles.


Und manchmal,

wenn das Ich für einen Augenblick leiser wird,

wenn Schmerz, Angst oder Liebe

die Mauern durchlässig machen,

erinnert sich etwas:


Ich war nie getrennt.

Ich war nur benannt.


Donnerstag, 1. Januar 2026

Über die Wahrheit


Die Wahrheit gleicht einer grenzenlosen Masse.

Wer sie berührt, nimmt unweigerlich etwas von ihr an.

Aus dem, was haften bleibt, formt der Mensch Bedeutung.


Doch was entsteht, ist nicht die Wahrheit selbst, sondern ein Fragment,

gelöst aus ihrem unendlichen Ganzen.


Roland 


Sonntag, 28. Dezember 2025

Wenn der Wind mein Gesicht streift

Wenn der Wind mein Gesicht streift,  

stehe ich still.  

Unendlich einsam,  

verloren im Meer der Erkenntnis,  

ohne Karte, ohne Richtung.  

Niemand weiß, wohin es geht,  

und doch gehen wir weiter.

Die Eiseskälte der menschlichen Gesellschaft  

fühlen die Sensiblen doppelt.  

Die Gewinner nennen es Stärke  

und machen die Kälte unerträglich.  

Sie sind der Wind in meinem Gesicht,  

der alles gefrieren lässt –  

doch nicht alles in mir erstarrt.

Wo ist der Lichtblick, wo der Ausweg?  

Ist es der Tod?  

Nein.  

Das kann nicht sein.  

Vielleicht ist es der Süden,  

wo der Wind wenigstens warm ist,  

auch wenn der Hunger dort wartet.  

Wärme ist kein Ziel,  

aber ein Versprechen.

In mir lebt eine tiefe Traurigkeit,  

allein auf dieser Welt,  

während Führer mit aufgeblähtem Ego  

im kurzen Moment der Zeit  

den Weg ins Verderben weisen.  

Doch Zeit urteilt leiser  

und länger als Macht.

Ich möchte den Horizont meines Wissens durchbrechen,  

das Wissen der Gesellschaft,  

der Wissenschaft,  

um neu zu werden.  

Mein Bewusstsein soll sich ausdehnen  

ins Reich der Unendlichkeit,  

nicht um größer zu sein,  

sondern wahrer.

Und was bin ich schon?  

Ein müder Wanderer der Zeit,  

der den Wind auf der Haut spürt,  

der klein fühlt  

und doch darin eine Welt erkennt.  

Denn wer fühlt, lebt.  

Und wer lebt,  

trägt Hoffnung –  

selbst im kältesten Wind.

Über den Krieg

Dieses Gedicht ist aus einem einfachen, aber drängenden Gedanken entstanden: Wir leben in einer Zeit, in der Kriege wieder allgegenwärtig si...