Ich bin gewachsen
Manchmal trägt ein Mensch Jahresringe, die niemand sieht.
Ringe aus Worten, die zu früh fielen, und aus Stille, die zu lange blieb.
Doch wer lange genug im Sturm stand, lernt, dass Stärke nicht laut sein muss.
Manchmal wächst sie leise – wie ein Baum, der trotz allem weiter Wurzeln schlägt.
Ich bin gewachsen
in einem Wald aus scharfen Worten,
wo Äste brachen,
bevor sie Blätter tragen durften.
Dort lernte ich,
dass Stille ein Schutz ist,
und Diplomatie
eine Rinde, die nicht splittert.
Doch tief in mir
blieb ein anderer Klang,
ein leiser, warmer Ton,
der nicht schreit,
sondern versteht.
Ich habe gelernt,
dass man nicht hart sein muss,
um zu überleben.
Man muss nur wissen,
wo die eigene Wurzel endet
und die des anderen beginnt.
Heute spreche ich
mit der Ruhe eines alten Baumes:
klar,
aber nicht schneidend.
weich,
aber nicht schwach.
Und wenn jemand
mit der Sprache meiner Vergangenheit
an meine Rinde schlägt,
dann bleibe ich stehen
und sage nur:
Ich bleibe bei mir.
Denn ein Baum,
der seine Wurzeln kennt,
fürchtet keinen Sturm.
Wo ich einst zerbrach, wächst heute Licht.
Und jeder Schritt nach innen führt mich heim.



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