Politik ohne Wurzeln



Der Baum fragt nicht,

ob sein Nachbar links steht
oder rechts.

Er wächst.

Er sucht das Licht,
teilt den Boden
mit denen, die neben ihm stehen,
und gibt zurück,
was er selbst nicht mehr braucht.

Nur wir Menschen
teilen die Welt in Farben,
in Lager und Grenzen,
in Gewinner und Verlierer.

Wir nennen es Fortschritt,
wenn etwas wächst.

Mehr Geld.
Mehr Besitz.
Mehr Gewinn.

Doch wer fragt den Wald,
ob er noch wachsen kann?

Die Erde ist kein Konto,
das sich beliebig vermehren lässt.
Und ein leerer Wald
wird nicht dadurch wieder lebendig,
dass irgendwo eine Zahl steigt.

Vielleicht liegt die Wahrheit

nicht links und nicht rechts.

Vielleicht liegt sie dort,
wo wir aufhören,
Recht haben zu wollen
und beginnen,
wirklich hinzusehen.

Denn was nützt uns Reichtum,
wenn die Luft schwer wird,
die Böden sterben
und wir vergessen haben,
dass wir einander brauchen?

Der Mensch steht nicht
über der Natur.

Er ist ein Teil von ihr.

Und vielleicht ist das
die Erkenntnis,
die wir am längsten verdrängt haben:

Wir können alles besitzen wollen
und dabei genau das verlieren,
was uns am Leben hält.

Ein Baum weiß das.

Er wächst nur so weit,
wie seine Wurzeln ihn tragen.

Vielleicht sollte auch Politik
wieder lernen,
nach ihren Wurzeln zu fragen.

Rumo sagt:
„Wer die Wurzeln des Ganzen versteht, muss nicht mehr darüber streiten,

welcher Ast recht hat.“



Kommentare

Beliebte Posts