Die Pinie am Meer

 Die Pinie am Meer



Wir kamen zur Welt, ohne gefragt zu sein,

getragen von Kräften, verborgen, rein.

In uns ticken Programme, still und klar,

niemand weiß, wo ihr Ursprung war.

Die Zeit verrinnt, sie spielt ihr Lied,

und keiner weiß, wohin sie zieht.

Da fragte Rumo, leise, schwer:

Warum das alles, Pinie am Meer?

Die Pinie sprach, vom Wind bewegt,

ihr Stamm vom Fels und Sturm geprägt:

Ich bin nicht hier, weil der Ort mich trug,

ich blieb, weil er mich prüfte genug.

Der Fels war mein Anfang, der Wind mein Lehr,

das Meer mein Gedächtnis, uralt und schwer.

Ihr Menschen reist, als könntet ihr fliehen,

doch euer Ich wird mit euch ziehen.

Egal, wohin ihr euch verliert –

das, was ihr seid, bleibt unberührt.

Rumo sprach: Wir suchen Sinn,

als läge er irgendwo tief darin.

Wir wechseln Wege, Menschen, Zeit,

doch bleiben dieselbe Einsamkeit.“

Die Pinie neigte sich, ihr Stamm war still,

als lauschte sie dem, was nicht sprechen will.

Dann sagte sie leise, fast wie Wind:

Ich bleibe, bis der Ort mich erkennt.

Ich wachse nicht, um gesehen zu sein,

ich wachse, um Wurzel zu sein.

Wenn der Fels hart ist, wird meine Kraft klar –

nicht aus Trotz, aus Zugehörigkeit wahr.

Das Meer antwortete nicht.

Es atmete nur.

Und in diesem Schweigen

löste sich die Frage, die Rumo geboren hatte.

Nicht alles, was gefragt wird, will Antwort sein.

Manches will dich nur führen –

bis du still wirst,

und das Denken sich verneigt.

Dann beginnt das,

was kein Gedanke mehr erklären kann.


Wer vor sich selbst nicht flieht, findet überall sein Land.

Und wer wie die Pinie bleibt, wächst still in seinem Stand.

Info: Die Schirmpinie (Pinus pinea) ist ein Baum des Mittelmeerraums.

Sie wächst langsam, aber unerschütterlich – oft mehrere Jahrhunderte.

Ihr Stamm verdreht sich, weil Wind und Trockenheit sie formen.

Ihre Krone breitet sich wie ein Schirm aus, als wolle sie Licht sammeln.

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